Gartenanlage Kindergarten St. Philippus
















Natur spielt mit

Den Sommer des Jahres 2005 werden Eltern, Kinder und die Erzieherinnen von Kindergarten und Hort der Münchner Pfarrei Sankt Philippus so schnell nicht vergessen. Es ist der Sommer, in dem in einer beispiellosen gemeinschaftlichen Aktion auf dem Gelände des katholischen Gemeindezentrums in der Westendstraße ein Naturspielparadies für Kinder entstand.

 

 

Ein frommer Wunsch? - Wie es begann

Obwohl die Freiflächen an der Kindertagesstätte St. Philippus für innerstädtische Verhältnisse relativ groß sind, fehlte den Kindern ein breitgefächertes Spielangebot. Im vorderen Bereich drängen sich die Kindergartenkinder um einen Kletterturm mit Sandkasten und ein altes Reck. Von der ursprünglich vorhandenen, immer wieder reparierten Rasenfläche ist kaum etwas übrig geblieben. Im rückwärtigen Bereich steht den Hortkindern ein alter Obstgarten mit Geräteschuppen und einem Sandbereich zur Verfügung. Die Schaukel ist wegen Altersschwäche gesperrt. Eigentlich wäre Platz genug zum Spielen da und irgendwie schön ist der alte Garten auch. Wegen fehlender Alternativen sind aber meist nur ein paar Jungs zum Fußballspielen auf der Fläche. Möglichkeiten für kreatives Spiel und Naturerfahrung fehlen weitgehend.

 

Verständlich, dass sich Leitung und Team schon lange um eine Verbesserung des Zustands bemühen. Mehrere Versuche - kleinere Aktionen mit Elternunterstützung - ändern aber nicht viel an der Situation. Für größere Maßnahmen fehlen dem Träger die Mittel.

 

Im Sommer 2004 beantragt die Tagesstättenleitung eine Qualifizierungs-maßnahme für das Team zur Erarbeitung eines naturnahen Konzeptes für das Gelände und wendet sich mit der Bitte um Unterstützung an den Verein Urbanes Wohnen. Man einigt sich, das Projekt gemeinsam anzugehen und zusammen ein Gestaltungs- und Maßnahmekonzept zu entwickeln. Die schrittweise Umsetzung sollte dann in weitgehender Selbsthilfe durch Eltern und mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren erfolgen.

 

In Kooperation mit der „Landesaktion Grün für Kinder“ entwickelt sich die Idee in den darauffolgenden Wochen weiter zu einem Konzept „Aktionsraum Natur“, das nicht nur Kindergarten und Hort, sondern das gesamte Pfarr-zentrum umfasst. In einer generationsübergreifenden Zusammenarbeit soll dieser entwickelt, genutzt und unterhalten werden. Das Vorhaben wird über die Landesaktion mit Unterstützung des bayerischen Familienministeriums aus Mitteln der Lotterie Glückspirale mit 15.000 Euro für Sachmittel gefördert.

 

Alle, auch die Eltern sind hochmotiviert. Bei einem Infoabend erklären sich viele bereit, aktiv und tatkräftig an einer Gestaltung in Selbsthilfe mitzuwirken.

 

Nun kann mit der Planung begonnen werden. Während der Herbst- und Wintermonate 2004/2005 entwickelt das Team zusammen mit den Planern und Pädagogen des Vereins URBANES WOHNEN ein differenziertes Gestaltungs- und Maßnahmekonzept für die Fläche. An mehreren Abenden werden Ideen- und Planungsworkshops durchgeführt und Modelle gebaut. Ausgangspunkt für die vielen Ideen und Vorschläge sind die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft mit ihrem Spiel- und Erfahrungspotential für die Kinder. Ziel ist, die bereits vorhandenen Qualitäten des Gartens zu erhalten und mit einem naturnahen Ausbau zusätzliche Möglichkeiten für Bewegung, und Kreativität, Abenteuer und sinnliches Entdecken der Natur zu schaffen.

 

Zentrale Elemente des Gartens sollen nun ein wilder Hügel mit Spielbach und Matschbereich, großen Steinen und Baumstämmen zum Klettern und Balancieren werden. Dazu viele neue Versteckmöglichkeiten und Rückzugsinseln, Kies- und Sandbereiche zum Bauen und Entdecken, Duft- und Kräutergarten, Weidentunnel. Das Gerätehaus soll zum Spielhaus, zur Villa Kunterbunt umgebaut werden.

 

Ende Januar sind die Skizzen und Entwürfe fertig. Anfang Februar wird das Konzept Aktionsraum Natur dem Kirchengemeinderat vorgestellt – mit großem Erfolg. Das Engagement des Teams und der Eltern überzeugt die Räte. Das Gremium beschließt, die Einrichtung zusätzlich und unabhängig davon mit neuen Spielgeräten auszustatten. Alle sind begeistert: Nun wird es im Naturspielgarten noch eine Hängemattenschaukel, einen Stelzenparcour und mit ein bisschen Glück sogar das heißersehnte Trampolin geben.

 

In der Planungs- und Vorbereitungsgruppe macht man sich derweil bereits Gedanken, wie die Umsetzung des Vorhabens zeitlich und organisatorisch abgewickelt werden kann. Eine schrittweise Realisierung über mehrere Jahre erscheint sinnvoll. Elternbeirat und Erzieherinnen plädieren jedoch für einen möglichst vollständigen Umbau noch in diesem Jahr - ein kühner Gedanke in Anbetracht des nahen Frühjahrs und dem Umfang der notwendigen Selbsthilfeleistung.

Zudem ist die Baustelle für die Planer eine große logistische Herausforderung. Für schweres Gerät ist der Garten nicht zugänglich. Anfahrts- und Ablademöglichkeiten gibt es nur über einen kleinen Garagenvorplatz des Nachbarn. Und da müssen auch noch die benötigten Container hin.

 

Soll man es wirklich versuchen. In einem Informationsabend Anfang April werden die Eltern schließlich darauf vorbereitet, was sie erwarten würde. Bereits in zwei Wochen müsste mit den Pflanz- und Holzarbeiten begonnen werden. Angesteckt von der allgemeinen Euphorie stimmen sie dem großen Sommer-Bauvorhaben zu.

 

Gemeinsam sind wir stark -Ideen werden wahr

 

Fieberhaft werden jetzt die Vorbereitungen

für die Baumaßnahmen getroffen. Ingesamt 14 Arbeitsgruppen werden benötigt um gleichzeitig an mehreren Baustellen auf dem Gelände zu schaffen. 55 Tonnen Aushub müssen – größtenteils mit Schubkarren – vom Gelände gefahren und in Container geschafft werden, 65 Tonnen Kies und 12 Tonnen Steine müssen hereingeschafft und eingebaut werden. Dazu 20 m dicke Eichenstämme, Zement, das Holz für die Terrassen, Pflanzen und, und, und. Vier Wochenenden von April bis Juni sind für große Bauaktionen reserviert. Die Zeit dazwischen dient der Vorbereitung, Material- und Werkzeugbeschaffung und zur Fertigstellung der begonnenen Bauabschnitte.

 

Glücklicherweise finden sich in der Elternschaft einige Handwerker, die sehr engagiert an dem Projekt mitwirken und an den Wochenenden ihren Maschinenpark mit Minibagger und Bobcat zur Verfügung stellen. Unermüdlich wird nun geschaufelt, Kies und Erde gefahren, Steine und Felsen bewegt, betoniert, gesägt, geschraubt, gepflanzt, gegossen. Eine Gruppe von Müttern wird nicht müde, gemeinsam mit der Kindergartenköchin die Arbeiter und Helfer mit Essen, Brotzeit und Getränken zu versorgen.

 

Das komplette Team und fast alle Eltern helfen tatkräftig mit – Wochenende um Wochenende. Sogar das Wetter spielt mit: Trotz des nassen Sommers regnet es an keinem einzigen der Aktions-Tage.

 

Die Stimmung unter den Helfern ist prächtig. Allmählich nimmt der Garten Gestalt an und alle sind begeistert. Jetzt noch ein letztes Wochenende für die neuen Spielgeräte. Auch das langersehnte Trampolin wird endlich geliefert. Da braucht es noch einmal viele Helfer.

 

Rechtzeitig zum Sommerfest im Juli ist das Gartenparadies dann auch weitgehend fertig. Duft- und Kräutergarten stehen schon in Blüte, das Spielhaus ist eingerichtet und bei schönem Wetter wird gematscht was das Zeug hält. Die Kinder genießen ihren Garten schon in vollen Zügen.

 

 

Aussichten

 

Die feierliche Einweihung im Rahmen des Sommerfestes stimmt manche sogar ein wenig traurig. Trotz der vielen Anstrengungen hat es Spaß gemacht. Viele haben sich bei den Aktionen kennen gelernt, die Gruppe ist zusammengewachsen. Und alle sind sich einig: Im nächsten Jahr soll es weitergehen. Die Böschung zur Straße hin soll kindgerechter werden, es gibt noch eine große Spielzeugkiste zu bauen, einen Platz zu pflastern, ein Projekt mit der Pfarrjugend durchzuführen ...

Wir machen weiter!




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